10.12.2025
Lesedauer: 10 Minuten

PDF/A-Standards im Überblick – Was Sie über die Teilnormen wissen müssen

In diesem Artikel
    „Soll ich PDF/A-1, -2, -3 oder -4 verwenden – und welchen Level: a, b oder e?”
    Diese Frage hören wir häufig von unseren Kunden. Die Antwort darauf ist nicht ganz trivial, denn die verschiedenen PDF/A-Standards und ihre Teilnormen unterscheiden sich teils grundlegend in ihren Anforderungen und Einsatzmöglichkeiten. In diesem Artikel erklären wir Ihnen die Unterschiede, zeigen Stärken und Schwächen auf und helfen Ihnen dabei, die richtige Entscheidung für Ihre Dokumentenprozesse zu treffen.

    Welche PDF/A-Standards gibt es?

    PDF/A-1: Der Ursprung der Normenreihe

    Die erste Version des PDF/A-Standards, PDF/A-1, wurde im Jahr 2005 veröffentlicht – zu einer Zeit, in der PDF noch auf einer Spezifikation von Adobe basierte. Ziel war es, ein Format zu schaffen, das besonders für die zuverlässige Langzeitarchivierung geeignet ist. Das bedeutete, den Funktionsumfang des Formats gezielt einzuschränken und so sicherzustellen, dass archivierte Dateien auch noch in Jahrzehnten zuverlässig geöffnet und gelesen werden können.

    Die wichtigsten Merkmale von PDF/A-1

    • Basierend auf PDF-Referenz 1.4
    • Eingeschränkte Features: Keine Transparenzen, keine Ebenen, kein JavaScript. Diese wurden bewusst nicht in die Norm aufgenommen, um potenzielle Kompatibilitätsprobleme zu vermeiden.
    • Schriften müssen eingebettet sein, um auch langfristig die Darstellbarkeit zu gewährleisten.
    • Metadaten und Farbkonformität: Dateien müssen Metadaten (auf der Grundlage von XMP) enthalten, Farben müssen klar definiert sein (z. B. als ICC-Profile).
    • Keine eingebetteten Dateien oder Multimedia-Elemente wie Videos dürfen in die PDF-Datei integriert sein. Formulare, Kommentare, Notizen nur beschränkt zulässig.
    • Keine Verschlüsselung ist erlaubt – ein wichtiges Detail, um die dauerhafte Lesbarkeit zu garantieren.
    • Komprimierung nur für ausgewählte Objekte und kein LZW oder JPEG2000.

    PDF/A-1 erfüllt grundlegende Anforderungen an die Archivierung, ist aber hinsichtlich moderner Funktionen und Flexibilität eingeschränkt.

    PDF/A-2: Neue Möglichkeiten mit der Weiterentwicklung des Formats

    Sechs Jahre nach PDF/A-1 folgte 2011 der zweite Teil der Normenreihe: PDF/A-2. Wichtigste Neuerung war sicherlich die Tatsache, dass dieser Normteil jetzt auf PDF als ISO-Norm aufbauen konnte, der ISO 32000-1 (entspricht PDF 1.7). Auch die implizit mit geltende XMP Definition von Adobe war zwischenzeitlich zur ISO-Norm 16684 geworden. Durch die Weiterentwicklung des PDF-Formats konnten auch neuere Funktionen für PDF/A zugelassen werden.

    Was ist neu in PDF/A-2?

    • Transparenzen erlaubt: Während PDF/A-1 Transparenzen ausschloss, sind diese nun zulässig, da ihre Darstellung nun technisch präzise definiert ist und so eine Langzeitnutzung ermöglicht.
    • Nutzung von Ebenen: PDF/A-2 ermöglicht die Integration von Ebenen, was insbesondere für CAD-Anwendungen und Geodaten von Vorteil ist.
    • Größenbeschränkung aufgehoben: Statt der 200-Inch-Grenze (ca. 5,08m) aus PDF/A-1 können PDFs nun größer sein – bis hin zu 300 Kilometer Ausdehnung durch den Einsatz von User Units.
    • Erweiterte Bildkomprimierungen: JPEG2000-Bilder und OpenType-Schriften werden unterstützt, was die Dateigrößen reduzieren und eine bessere Darstellungsqualität ermöglichen kann.
    • Digitale Signaturen: PDF/A-2 schlägt erstmals einen klaren Bezug zu Signaturnormen und digitalen Signaturen vor, um deren korrekte Anwendung in der Langzeitarchivierung sicherzustellen.
    • Eingebettete Dateien: Für Dokumente, die selbst den PDF/A-Normen entsprechen, können zusätzliche Dateien eingebettet werden.

    PDF/A-2 ist ein signifikantes Upgrade zur ersten Version und wird häufig als Standard für neue Archivierungsprojekte gewählt – vor allem, wenn moderne Funktionen wie Transparenzen oder digitale Signaturen erforderlich sind.

    PDF/A-3: Flexibilität durch eingebettete Dateien

    Im Jahr 2013 wurde mit PDF/A-3 ein weiterer Schritt in Richtung Flexibilität gemacht: Die einzige Neuerung war hier die Möglichkeit, beliebige Dateien einzubetten. Man muss nur eine Kennzeichnung vornehmen, in welchem Verhältnis die eingebetteten Dateien zum Hüllen-PDF/A-3 stehen: Vorgängerversion oder andere Darstellung.

    Für die Möglichkeit, beliebige Dateien in PDF/A-3 zu verpacken, gibt es aber zahlreiche nützliche Anwendungen:

    • 2D PDF-Ansichten einer Konstruktion mit eingelagerter originaler 3D Geometrie
    • Rechnung als PDF und eingelagerte Rechnungsdaten als XML als ZUGFeRD oder XRechnung
    • Ursprünglich vorhandene non-PDF/A Datei aber mit gültiger digitaler Signatur eingebettet in der daraus abgeleiteten PDF/A Datei

    PDF/A-3 garantiert in keiner Weise irgendeine Qualität der eingebetteten Dateien. Dazu müssen unternehmensweit Vorschriften festgelegt werden, um nicht einen Wildwuchs im Unternehmen zu ermöglichen.

    PDF/A-4: Der neue Standard mit vereinfachtem Regelwerk

    Im November 2020 wurde mit PDF/A-4 der bislang jüngste Teil der Normenreihe veröffentlicht, basierend auf der überarbeiteten PDF 2.0 Norm (ISO 32000-2:2020). In diesem Teil wurden zahlreiche Vereinfachungen vorgenommen, um die Handhabung zu erleichtern. Lange ließ sie außerdem auf sich warten: die Normung von 3D-Objekten in PDF unter dem Aspekt der Langzeitarchivierung.

    Wichtige Neuerungen in PDF/A-4

    • Drastische Vereinfachung der Norm-Level: Der Dschungel aus verschiedenen Levels (a: barrierefrei, b: visuell korrekt, u: Unicode-Erweiterung) wurde reduziert. Es gibt nun nur noch die Level f (flat/2D-PDFs) und e (engineering/3D-PDFs).
    • Integration von 3D-Objekten: Mit PDF/A-4 können standardisierte 3D-Formate wie U3D und PRC eingefügt werden. Weitere Formate wie JT oder STEP sind aktuell nicht enthalten, werden jedoch für eine zukünftige Normerweiterung in Betracht gezogen.
    • Tagging: PDF/A-4 ermahnt nur noch dazu, PDF zu taggen, stellt aber keine dedizierten Forderungen. Eine Normung im Detail findet aber in der PDF/UA Norm statt, die Menschen mit eingeschränkten Sehfähigkeiten auch einen Zugang zu PDF ermöglichen soll. Tagging ist aber auch die Basis für maschinelle Auswertungen von PDF.**
    • Unicode-Konnektivität: Im Gegensatz zu vorherigen Normen ist die Angabe von Unicode-Zeichen nun verpflichtend. Das heißt, entweder ist der verwendete Font ein Unicode Font oder er muss für jedes verwendete Zeichen zusätzlich den Namen des entsprechenden Unicodezeichens besitzen. Dies erleichtert maschinelles Auslesen und sorgt für bessere Zugänglichkeit – kann allerdings auch zu Komplikationen führen, da ältere Dateien gegebenenfalls nicht mehr PDF/A-4-konform sind.
    • Signaturen für die Langzeitarchivierung: Digitale Signaturen waren auch in den früheren Normteilen erlaubt. Im Teil 4 wird aber einiges klarer gezogen. Im Normteil 3 fanden sich noch viele Regeln im Annex B. Jetzt sind diese Regeln fester Bestandteil der eigentlichen Norm. Insbesondere werden Long-Term-Validation-Signaturen (LTV) empfohlen, um die Authentizität einer signierten Datei auch nach dem Ablauf eines Zertifikats nachweisen zu können. Eine solche Signatur besteht aus einem wiederum signierten Set aus Zeitstempel und Validierungsinfos. Ein Zertifikat läuft in der Regel nach drei Jahren aus.

    Wichtig ist, dass eine PDF-Datei nur dann PDF/A-4 sein kann, wenn sie auch PDF 2 konform ist.

    Was ist Tagging?

    Tagging bezeichnet die interne Markierung von Elementen wie Strukturen, Sprache, Artefakten, Worttrennungen oder alternativen Texten in einer PDF-Datei. Diese Informationen ermöglichen eine bessere Maschinenlesbarkeit und Barrierefreiheit – wichtige Kriterien für den Level A.

    Im ersten Normteil der PDF/A-Norm musste eine Datei lediglich global als „getaggt“ markiert sein, um Level A zu erfüllen. Da die Vollständigkeit und Richtigkeit des Taggings jedoch schwer zu prüfen ist, war das einfache Setzen des Flags oft irreführend und ohne praktischen Nutzen. Wir raten unseren Kunden daher, bestehende PDFs nicht künstlich auf Level A anpassen zu wollen – stattdessen lässt es sich mit modernen Tools, wie professionellen PDF-Exportfunktionen aus MS Office, einfacher erreichen, Level A direkt zu erstellen.

    Und was hat es mit den Leveln auf sich?

    Ein entscheidendes Merkmal der PDF/A-Standards sind die sogenannten Level, die den Grad der Anforderungen an ein PDF-Dokument definieren. Diese Level helfen dabei, zwischen grundlegenden und erweiterten Anforderungen an Archivierungsdokumente zu unterscheiden:

    Level A (Accessible) – ab PDF/A-1:

    Der höchste Standard, der die vollständige Konformität eines PDFs sicherstellt. Hierbei müssen alle Objekte im Dokument intern markiert sein (Tagging), damit deren Bedeutung semantisch definiert ist. Dies ist besonders wichtig für die Maschinenlesbarkeit von Dokumenten, was wiederum Menschen mit Einschränkungen zugutekommt, die sich Inhalte digital vorlesen lassen. Zusätzlich müssen alle verwendeten Zeichen mit einer eindeutigen Unicode-Benennung versehen sein – auch dann, wenn der verwendete Font selbst gar kein Unicode-Font ist. Allerdings ist die Erstellung solcher Dateien aufwendig und oft nur bei hochwertigen Ausgangsdokumenten realisierbar.

    Level B (Basic) – ab PDF/A-1:

    Dieser Level ist reduziert auf das Wesentliche: die eindeutige visuelle Reproduzierbarkeit. Das bedeutet, dass das Layout und der Inhalt des PDFs unabhängig von späteren technischen Entwicklungen akkurat dargestellt werden können. Weiterführende Anforderungen wie Tagging oder Unicode-Kompatibilität entfallen. Dieser Level deckt die meisten Archivierungsbedarfe ab und bleibt die gängigste Wahl.

    Level U (Unicode) – ab PDF/A-2:

    Mit der Einführung von PDF/A-2 kam ein neuer Mittelweg hinzu: der Level U. Er richtet sich an Nutzer, die Wert auf eine durchgängige Unicode-Kompatibilität legen, ohne die zusätzlichen Anforderungen des Taggings umzusetzen. Dies ermöglicht unter anderem, dass gespeicherte Texte leichter maschinell auswertbar sind, ohne dass alle Objekte im PDF vollständig semantisch markiert sein müssen. In der Praxis ist dies oft eine pragmatische Lösung für Unternehmen, die Unicode benötigen, aber keinen Aufwand für das Tagging betreiben wollen.

    Level F (Flat) und E (Engineering) – ab PDF/A-4:

    Im neuesten Standard, PDF/A-4, wurde das bisherige Level-System stark vereinfacht. Hier unterscheidet man ausschließlich zwischen dem Level F (Flat) für reine 2D-PDFs und dem Level E (Engineering), das sich auf PDF-Dateien mit 3D-Inhalten spezialisiert. Diese Reduzierung soll eine klarere Orientierung bieten und die Komplexität der Wahl des passenden Levels verringern.

    Für 3D PDF ist aber zwingend der Level e vorgeschrieben (PDF/A-4e). Dem entsprechend sind aber in PDF/A-4 nur die 3D Formate U3D und PRC zulässig. JT und STEP als Stream im PDF wird also noch etwas auf sich warten lassen. Um diesen 3D Anteil unter Kontrolle zu halten, sind einige Neuerungen dazu gekommen, die dem normalen Nutzer wenig auffallen werden:

    • 3D nutzt Annotationen. Insofern müssen jetzt 3D- und RichMedia-Annotationen zugelassen sein.
    • Javascript und Aktionen in Zusammenhang mit 3D sind erlaubt.
    • Javascript soll nur interaktiv ausgeführt werden. Automatisierung ist nicht erlaubt. Das lässt sich aber nicht unabhängig prüfen und ist nur eine Anforderung an einen PDF-Processor
    • Alle Action-Events müssen zentralisiert in einem Actions Dictionary angelegt sein.

    Die Wahl des richtigen Levels hängt ganz von Ihren Anforderungen ab. Möchten Sie einfach die visuelle Lesbarkeit Ihrer Dokumente sichern, reicht der Level B. Für maschinell optimal auswertbare Dokumente oder Zugänglichkeit sollten Sie jedoch die erweiterten Möglichkeiten der Level U oder A in Betracht ziehen.

    Welcher der PDF/A-Standards ist der Richtige für Sie?

    Die Entscheidung für die richtige PDF/A-Norm hängt vor allem von Ihren Anforderungen ab:

    • Möchten Sie keine modernen Features wie Transparenzen oder eingebettete Dateien nutzen, genügt PDF/A-1.
    • Benötigen Sie mehr Flexibilität, z. B. bei der Bildkomprimierung oder für Signaturen, dann ist PDF/A-2 die richtige Wahl.
    • Arbeiten Sie mit Dateien, die zusätzlich Informationen in Form von Anhängen enthalten sollen, ist PDF/A-3 eine gute Wahl – allerdings mit Vorsicht in Bezug auf die Qualität der Anhänge.
    • Wenn Ihr Unternehmen auf zukunftssichere Technologien wie 3D-Inhalte setzen möchte, dann sollten Sie auf PDF/A-4 umsteigen – unter Berücksichtigung, dass dies aufgrund der Unicode-Pflicht nicht immer nahtlos möglich ist.

    Die Komplexität der PDF/A-Normen mag auf den ersten Blick abschreckend wirken. Doch mit der richtigen Unterstützung und einer klaren Strategie können Sie Ihre Dokumentenprozesse effizient und zukunftssicher gestalten. Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns – wir helfen Ihnen, die passende Lösung für Ihre Archivierungsanforderungen zu finden!

    PDF/A-Standards im Überblick – Was Sie über die Teilnormen wissen müssen

    Der Artikel gibt einen umfassenden Überblick über die Entwicklung der PDF/A-Normen und ihre jeweiligen Anwendungsbereiche. Der Schwerpunkt liegt darauf, welche der Teilnormen – PDF/A-1, -2, -3 oder -4 – sich für verschiedene Anforderungen eignet. Die Wahl des richtigen Formats basiert auf den individuellen Anforderungen: Während PDF/A-1 und -2 meist für grundlegende Archivierungszwecke ausreichen, bieten PDF/A-3 und -4 Optionen für spezifische, datenreiche Szenarien wie 3D-Dokumente oder digitale Rechnungen.